Schreibteufelchen

Autorenblog von Christa S. Lotz

Schreibteufelchen

Sonntag, 27. Mai 2012

Pfingsten 2012 -ich bin dann mal weg!

Helm-Knabenkraut
Brand-Knabenkraut

Kleines Knabenkraut




Fliegenragwurz
Burg Wildenstein
Orchideenrausch-und eine Burg oberhalb des Donautals. Ich wünsche allen schöne, erholsame Feiertage! (Heimische Orchideen waren übrigens mein Hobby, bevor ich mit dem Schreiben anfing).

Donnerstag, 24. Mai 2012

Der Autor ist tot - es lebe sein Facebook-Profil!

Gerade bei der Suche nach etwas anderem gefunden:
Der Autor ist tot-es lebe sein Facebookprofil! (Zeit Online vom Februar 2012)
Fast hätte ich geschrieben: Es lebe der Autor, das Facebookprofil muss erst mit Leben erfüllt werden. Da höre ich, dass Hermann Hesse inzwischen auch bei Facebook ist (hallo, Hermann!). Manche, besonders literarische Autoren, lassen die Facebookarbeit lieber von ihrem Verlag machen-oder wechseln sich ab. Manche Autoren, besonders die auf dem Unterhaltungssektor, sind selbst sehr aktiv. Dabei frage ich mich: Wie aktiv muss man eigentlich noch sein? Ich persönlich sitze jetzt nämlich schon seit Stunden am Computer, um mich zu informieren, zu lesen und  zu posten - und dabei habe ich keine einzige Zeile für mich selbst geschrieben! Wahrscheinlich bin ich als Autorin schon längst tot, als Social-Media-Medium jedoch höchst lebendig. Wahrscheinlich muss ich mich entscheiden, ob ich Bücher schreiben oder die schon geschriebenen oder noch zu schreibenden vertreiben soll.

Mittwoch, 23. Mai 2012

Abgrenzung - im Leben und beim Schreiben

Abt Pirmin auf der Reichenau
Abgrenzung ist gerade das heißeste Thema bei meinen Kollegen und Klienten- und bei mir selbst. Es klingt so einfach, mal eben "nein zu sagen - denn was könnte dann passieren? Die Mutter, die sich nicht von ihrer destruktiven Tochter abgrenzen kann, wird selbst immer tiefer hineingezogen. Schuldgefühle blockieren jeden Ansatz auf Selbstbestimmung-und ihr Leben zerrinnt unter ihren hilflosen Anstrengungen, die Tochter zu retten. Dabei hat die genügend Ressourcen, um für sich selbst zu sorgen. Wenn man immer "nein" sagt, kann einen am Schluss sicher niemand mehr leiden. Man kommt nicht voran, landet im Abseits. Es stimmt, der Jasager erfreut sich einer gewissen Beliebtheit-weil man ihn immer für seine Zwecke einspannen kann.
Wenn ich merke, dass andere über meine Grenze gehen und ich selbst meine Grenzen überschreite, ist es Zeit, die Notbremse zu ziehen. In meinem Beruf kann ich die Rolle der Neinsagerin übernehmen. Aber kann ich das auch selbst? In meinem Leben und bei meinem Schreiben? Immer, wenn ich merke, dass ich elementare Bedürfnisse vernachlässige, weil ich mich zu sehr für andere (ja, und auch für das Schreiben mit allem Drumherum) einsetze, halte ich inne. Und überlege: Brauche ich das wirklich für mein Leben? Brauchen andere das für ihr Leben? Ich habe festgestellt, dass meine Klienten sehr schnell selbstständiger wurden, wenn man ihnen nicht immer alles abgenommen hat. Man schwächt ihr Ich, schrieb Wolfgang Schmidbauer in seinem Buch "Die hilflosen Helfer". Man muss nicht immer für alle erreichbar sein, auch in meinem Beruf nicht. Wenn jetzt etwas in der Gruppe passiert, rufen die Bewohner selbst den Krankenwagen.

Was das Schreiben betrifft, ist das schon ein wenig differenzierter. Ich kann zum Beispiel nicht mit Hunderten von Kontakten, die ich im Internet habe, täglich kommunizieren. Ich kann ihnen etwas zum Lesen anbieten, so wie ich meinen Klienten ein Angebot mache. Beim Schreiben verwischen sich alle Grenzen. Wenn ich einmal im Fluss bin, gibt es kein Halten und kein Neinsagen mehr. Wohl aber kann ich die "Umwelt" des Schreibens beeinflussen. Ich kann nein sagen zu übermäßigem Bloggen, Twittern und Facebuchen. Das kann man so dosieren, dass regelmäßige und beidseitig befruchtende Kontakte zustandekommen, so, wie ich es hier im Blog und bei anderen erlebt habe, auch in Foren. Gegenseitig Texte und Bücher auszutauschen kann sehr inspirierend sein! Wenn mich heute jemand fragt, was ich mit den Verlagen anders machen würde, würde ich sagen: Nicht mehr nehmen, was kommt, und nicht mehr alles akzeptieren! Die Kollegen, die selbst ihre Ebooks produzieren und erfolgreich vertreiben, haben da einen möglichen Weg gewiesen. An der Stelle, an der ich inzwischen angelangt bin, frage ich mich: Für wen habe ich die Bücher tatsächlich geschrieben? Was bedeuten sie mir? Bin ich bereit, dafür in einer lebenslangen Warteschleife zu hängen? Gestern sagte mir eine Klientin, sie hätte mein Buch dabeigehabt, als sie mit dem Zug nach X fuhr - und sie hätte fast den Ausstiegsbahnhof verpasst. In solchen Momenten weiß ich,warum ich das alles getan habe. Ja, ich bin dazu bereit, auch wenn ich nicht existenziell abhängig davon bin. Ich sage Nein zu Projekten, zu denen ich keine Lust habe. Ich schreibe keine Bücher, die ich selbst nicht lesen würde. Daneben mache ich mein eigenes Ding, im Leben und beim Schreiben, sage mal ja und mal nein. (Ich hoffe doch, dass ich das einigermaßen durchhalten kann, wir sind ja keine Roboter:-)


Dienstag, 22. Mai 2012

Facebook-Träne und Perle des Internets

Als absoluter Frischling bin ich vor zwei Wochen bei Facebook eingetrudelt - ich kam dazu wie die berühmte Jungfrau zum Kind. Es war zunächst ein wenig verwirrend und es hat bis heute gedauert, bis ich wusste, wie man die Chronik einrichtet, ein Titelbild hochlädt und das alles verwaltet. Jetzt gehöre ich also zur Weltgemeinde des Internets. Ich glaube auch durchaus, dass es mir und anderen Vorteile bringt und vor allem Spaß macht. Ich habe viele Autorenkollegen getroffen und eingeladen, darunter auch einige aus der alten Schreibwerkstatt. Jetzt kann ich immer sehen, was mein Sohn David aus Afghanistan schreibt und seine Fotos anschauen. Mit einer Kollegin tausche ich schon Bücher aus. Das alles ist durchaus eine Bereicherung. Die Kommunikation ist allerdings reichlich verknappt, wie auch bei Twitter. Die Fotos müssen jetzt groß sein, während sie hier im Blog immer zu groß waren. Das einzige, was mir ein bisschen unheimlich ist, erfuhr ich am Tag des Börsengangs von Facebook. Ehemalige Nutzer verklagen Facebook auf 15 Milliarden Dollar, weil ihre Daten nach ihrem Weggang nicht gelöscht wurden. Außerdem werde ich darauf achten, ob neuer Spam hereinkommt, und dass ich nur Sachen preisgebe, die alle Welt wissen darf. (auch wenn ich nur ein Tropfen im Ozean dieser Gemeinde bin:-)
Mein Chronikbeginn bei Facebook-soll die offizielle Autorenseite werden-leider sind die Autorenfreunde alle auf der privaten Seite!
Private Facebook-Seite seit 8. Mai

Sonntag, 20. Mai 2012

Aufgelesen am Rande-der deutsche Autor bloggt nicht:-)

Der deutsche Autor-ohne Netz, Blog, Twitter und FB?
Habe noch zwei neue Beiträge zum Urheberrecht gefunden, die nicht so sehr polemisieren. Ein Video fasst den bisherigen Stand noch einmal zusammen. Die Urheberrechtsdebatte auf Kampagnen beschränkt. Es stimmt, dass die Debatte stellenweise unsachlich ist und stellenweise albern.
Dann noch ein Artikel der Welt Online vom 20. Mai: http://www.welt.de/debatte/kommentare/article106347203/Autoren-sollten-aufhoeren-ueber-das-Netz-zu-noelen.html Der Autor Thierry Chervel, Mitbegründer des "Perlentauchers" im Jahr 2000, kommt zu dem Schluss, das deutsche Autoren zu wenig Ahnung vom Netz hätten und zum Beispiel kaum einer bloggen würde. Von welchen Autoren spricht er denn? Ich kenne nur welche, die bloggen und bei Facebook oder Twitter sind- oder alles miteinander. Insofern polemisiert Chervel wohl doch, denn er nimmt eine ganze Menge deutscher Autoren hier als Objekt der Begierde aus, so will mir scheinen. Natürlich erwarte ich von etablierten Literaten wie Walser, Grass oder selbst Charlotte Roche nicht, dass sie sich netzaffin verhalten (ich weiß gar nicht, ob sie`s tun). Mir drängt sich da eine Frage auf: Vielleicht ist Chervel selbst nicht netzaffin genug, sonst müsste er das doch wissen. Und wenn er es weiß und trotzdem meint, deutsche Autoren würden nicht bloggen, twittern und facebooken,
dann grenzt er bewusst diejenigen aus, die wohl am meisten von illegalen Downloads betroffen sind.

Samstag, 19. Mai 2012

Ich schreibe, weil ich muss



Wenn ich nicht schreibe, bin ich unausstehlich. Es ist, als wenn ich nicht geerdet wäre oder schnurstracks in ein drohendes Inferno hineinwandere wie  auf dem Bild zu sehen. Wenn ich schreibe, bin ich erschöpft, aber glücklich. Dazu habe ich bei Kollege Thomas Wollinger einen Schriftstellerwitz gefunden, der das Dilemma treffend charakterisiert!:-)

Mittwoch, 16. Mai 2012

Autor werden ist nicht schwer ...

...Autor sein dagegen sehr. Gerade habe ich einen Blogartikel des Autors Alexander Zeram gefunden, der diesen Prozess sehr gut zusammenfasst - von der Idee, ein Buch zu schreiben über die Verlagssuche bis hin zu den Ebooks. Wie hatte ich mir das eigentlich vor zwölf Jahren, als ich "belletristisch" zu schreiben begann, vorgestellt? Bis dato war ich insofern erfolgsgewöhnt, als meine Zeitungsartikel zur Umwelt, zur Aufrüstung und zu den AKWs immer gleich erschienen. Als Vorstandsmitglied des Frauenhauses und selbst als Betreuerin meiner Wohngruppe erschien mein Konterfei in der Zeitung, war ich sogar in den Abendnachrichten zu sehen. Naja, zumindest wollte ich gleich mal einen Preis gewinnen für mein erstes Buch. Das hat sich dann peu à peu zerfasert, und natürlich wurde es auch nichts mit dem Bestseller und dem Haus am Bodensee. Reiseschriftstellerin wollte ich werden, die mit einem Wohnmobil durch die Lande zieht und den Verlag druckfrisch beliefert. Was ist von diesen Träumen geblieben?

Zumindest die Erkenntnis, dass es für einen Autor therapeutisch äußerst wirksam ist, immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht zu werden. Er könnte ja sonst zu den Wolken fliegen und sich an den Strahlen der Sonne verbrennen! Und eine zweite Erkenntnis, nämlich die, warum ich die ganze Mühe, veröffentlicht zu werden und zu bleiben, auf mich genommen habe: Ich wollte schlicht und einfach nur wahrgenommen werden. Und mir und anderen etwas mitteilen, natürlich. Womit wir beim Schlagwörtchen Teilen wären. Seit ich schreibe (und das hat ganz früh angefangen, mit dem Tagebuch unter der Bettdecke), wollte ich das mit anderen teilen. Das heißt, dieses Tagebuch war nicht für mich allein, sondern andere sollten, durften es ebenfalls lesen. Deshalb habe ich diese Tagebücher aufbewahrt und nicht an das Archiv in Emmendingen geschickt, wo sie wissenschaftlich aufbereitet werden. Dann hätte ich nämlich nie wieder etwas von ihnen gehört! Später veröffentlichte ich Fotos und einen Artikel in einem Sachbuch, gewann ich einen Zeitungswettbewerb mit einer Wanderung, was mir ein Traumwochenende am Bodensee bescherte. Na, da klingelts doch: Hatte ich mir nicht häppchenweise meine Träume erfüllt? Ein paar Jahre lang bestückte ich einen Kalender und reiste dafür ganz schön in der Gegend rum.

Dann wurde es ernst. Bis jetzt war alles Spielerei gewesen. "Schreiben" war das zweite Wort, das ich in meinen neuen Computer eingab. In einer Schreibwerkstatt übte ich mich in Kurzgeschichten, Veröffentlichungen in satirischen und anderen Zeitschriften. Immer wurde alles geteilt und mitgeteilt. Erste und zweite Roman-Veröffentlichung 2004, dann Agentursuche, Verlagssuche, sehr schweiß-und kräftetreibend, nächste Veröffentlichungen 2009, letzte 2011. Und jetzt stehe ich wieder ganz am Anfang. Wieder warte ich auf einen Vertrag, wieder muss ich bangen, dass der Verlag das Buch nicht nimmt. Inzwischen sind die sozialen Netze stark angewachsen, Autorenforum, Blogs, Twitter, Facebook. Ich bin also sichtbar geworden, und einen ziemlich Teil meiner Zeit verbringe ich mit diesen Netzwerken. Das führt zu immer neuen Fragestellungen, zum Beispiel auch zu der, warum ich meine Bücher nicht freiwillig-kostenlos mit anderen teilen will, wie ich es doch früher immer wollte. Es gab einmal Zeiten, da hätte ich das mit Freuden getan. Es gab Zeiten, da habe ich mich gefreut, als ein Reitergeschäft in Baden-Baden eine Kurzgeschichte von mir herunterlud. Darauf, sie anzuzeigen und den Anwalt eine Geldstrafe von 1000 Euro eintreiben zu lassen, wäre ich niemals gekommen! Naja, fragen hätten sie mich schon können. Ich wäre auch bereit, ein Ebook herzustellen und es ein paar Tage zu verschenken, wie es Petra van Cronenburg in einer beispiellosen Aktion getan hat. Ich habe auch noch Printbücher zu verschenken, in der Hoffnung, dass dabei eine Rezension herausspringt. Ich möchte teilen, aber auf Gegenseitigkeit. Einen Roman herunterzuladen kostet nichts, auch keine Anstrengung. Meine jahrelangen schreiberischen Anstrengungen (die, zugegebenermaßen, natürlich auch viel Vergnügen bereitet haben) möchte ich nicht wie Hühnerfutter auswerfen. Macht mir mein Ebook, liebe Anhänger des kostenlosen Downloads, dann dürft ihr es ein paar Tage lang kostenlos verteilen und bewerben-und dann möchte ich die Früchte meiner Arbeit genießen.