Samstag, 24. Januar 2026

Klappentext zum historischen Roman "Hexenkinder"


 Hayingen, Süddeutschland im Jahr 1632. Als die Schweden in die Stadt einfallen,  versteckt sich die 17jährige Katherina in einer Kirche. Dort begegnet sie dem Musketier Alexander, und während ihre Welt untergeht, verliebt sie sich in ihn. Im Morgengrauen ist er verschwunden. Als sie nach Hause kommt, findet sie  das Haus abgebrannt und  die Eltern grausam getötet. Während der Beerdigung  beschuldigt ihre Nachbarin Katherinas Mutter, eine Hexe gewesen zu sein. Katherina verlässt ihren Heimatort, um den Täter zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen .Auf ihrem Weg schließt sie sich dem schwedischen Tross an, trifft wiederholt Alexander und verliert ihn wieder.  Zu ihrem Entsetzen stellt sie fest,, dass  ihre Nachbarin inzwischen Mätresse des Täters geworden ist und sie zu verfolgen scheint.  Die Nachbarin denunziert Katherina, und nur ein Urteil der Jesuiten bewahrt sie vor der Todesstrafe. Schließlich gelangt Katherina auf ein Fuggerschloss in Wasserburg am Bodensee und erfährt, dass hier Kinder als  Hexen verbrannt werden.  Sie setzt alles daran,  einige der Kinder zu  retten. Doch sie ahnt nicht, wie gefährlich nahe sie dem Täter und der verräterischen Nachbarin gekommen ist.

Ein Roman über die Zeit großer Umbrüche, über Liebe, Verrat, Freundschaft und den unbeugsamen Willen der Menschen zu überleben

Mittwoch, 21. Januar 2026

Dann passiert das Leben

 Neuerdings gehe ich wieder ins Kino. Nachdem ich eine alte Freundin nach langer Zeit getroffen habe, ausgerechnet an der Kasse von C&A in Nagold. Schon zum zweiten Mal war ich im Kino. Letzte Woche war es der Film "Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße" der genau dort spielte, wo wir im letzten Oktober in Berlin ein-und ausgestiegen sind. Hat mir schon gut gefallen, noch besser aber "Dann passiert das Leben". Eine Art Tragikomödie mit Tiefgang, dargestellt von Anke Engelke und Ulrich Tukur. .Anfangs fühlte ich mich an Loriot mit seinen Beziehungs-Slapsticks erinnert und musste schon grinsen und lachen, dann gab es einen gewaltigen Schnitt, und alles kippte in eine Tragödie hinein, die aber alles, was geschah und was die Figuren taten oder fühlten, miteinander verwob. Alles, alle Utensilien wie das elektronische Rollo, das hoch-und runtergefahren wurde, die Beziehung zum Sohn, zum Beruf und sonstigem Umfeld war so genial austariert, dass man nur noch dasitzen, mal ein Lachen von sich gab, mal Tränen in den Augen hatte. Ich habe mich und mein Umfeld in so vielem wiedererkannt, einschließlich der Aversion gegen manche zu krasse Formen der Digitalisierung und der KI. Der Staubsaugerroboter als Symbol. Ich habe gefühlt, dass ich selbst an diesem Scheideweg bin. Nach  mehr als 20 Jahren Schreiben neben dem Beruf, mit Begleitung durch einen Partner, meinen Sohn und eine Autorengruppe und teilweise Isolation, besonders während der Coronazeit, bin ich gerade dabei, wieder ins Leben hinauszutreten und das Innen und das Außen mehr in Gleichklang zu bringen.

Dann passiert das LebenInhaltsangabe aus dem "Merkur":

Inhalt

Eine feinfühlige Hommage an eine vergessene Liebe. In den Hauptrollen: Anke Engelke und Ulrich Tukur. Hans, der als Schuldirektor kurz vor der Pensionierung steht, bewegt sich für seine Frau Rita eher wie ein Gast in ihrem Leben. Der gemeinsame Sohn ist längst aus dem Haus, und die langjährige Ehe der beiden folgt einer eingespielten Routine. Die neuen Fliesen im Bad sind nur der Anfang von etwas, das Rita große Sorgen macht. Auf einmal werden alte Wunden wieder sichtbar. Auf einmal fällt den beiden auf, wie wenig sie über das Leben ihres Sohnes wissen. Auf einmal ist nicht mehr klar, ob sie zwei Einzelne oder ein Paar sind. Doch dann passiert das Leben…

Die Einsamkeit des Schreibens

Diesen kleinen Essay habe ich vor mehr als 20 Jahren geschrieben, zwei Jahre, nachdem ich in eine Schreibwerkstatt eingetreten war und Kurzgeschichten schrieb. Er wurde im Oktober 2003 in der Zeitschrift "Federwelt" veröffentlicht.


                                           Die Einsamkeit des Schreibens

 

Der Mensch kann ein angesehenes Mitglied der Gesellschaft sein, kann Vater, kann Mutter sein, ist immer Kind irgendwelcher Väter und Mütter, kann sich verirren, verwirren – aber er wird nur dann, wenn er sein Eigentliches entwickelt, zur Reife kommen. Wenn nun einer zum Schreiben sich berufen fühlt, hat er mehrere Möglichkeiten: er kann es ganz nebenher tun, just for fun. Kleine Geschichten und Gedichte für die Familie, für die Freunde, für die Sonntagszeitung, um auch andere damit zu beglücken, und natürlich auch für die Leser im Internet. Das wird ihn aber nicht zufrieden stellen. Er wird sich zurückziehen, er braucht Ruhe, um seine Ideen zu entwickeln und zu Papier zu bringen. Die Unruhe einer Familie, eines verzehrenden Jobs hindern ihn, seine inneren Bilder auszuformen. Das gibt Konflikte mit der Realität. Der Autor hat neben seinem Alltag noch eine andere Welt. Er hat Bilder, hat Figuren, mit denen er kommunizieren kann. Das füllt die innere Einsamkeit aus. Der Schreiber fühlt keine Leere und Depression, wenn er allein ist, sondern kann sich mit den Figuren recht gut vergnügen.

 Ist also der Schreibende dazu verdammt, allein zu sein und sein Leben mit niemandem teilen zu können? Da gibt es wieder mehrere Möglichkeiten. Er hat einen Partner, der über genügend Stärke verfügt und seine eigenen Interessen verfolgt und bei dem es immer wieder Punkte gibt, wo sich beide begegnen und einander befruchten können. Ich denke an Thomas Mann, der jeden Tag zu einer bestimmten Zeit zwei Seiten schrieb und in dieser Zeit nicht gestört werden durfte. Oder Hesse, der in Montagnola einen separaten Trakt bewohnte und manchmal tagelang nur über Zettel mit der Umwelt verkehrte.

 Ich selbst gehöre zu denen, die sich einen Traum erfüllen wollen, doch immer mal wieder auf die Schnauze fallen. Aber immer wieder aufstehen und weiterschreiben, weil es ein innerstes Bedürfnis ist ... und die auch Einsamkeit in Kauf nehmen, um dem Traum wenigstens etappenweise näher zu kommen.

„Du bist ja völlig neben der Kapp“, sagen die anderen.
„In einem Monat ist das vorbei“, sage ich.
Wird es in einem Monat vorbei sein?

Die zweite Möglichkeit: wir umgeben uns mit einem gleichgesinnten Freundeskreis, der es ertragen kann, dass wir uns immer wieder zurückziehen müssen, um zu schreiben. Wir können nichts zu Papier bringen inmitten von schwätzenden Leuten, Partygetöse, klingelnden Telefonen und Menschen, die ständig etwas von uns wollen. Was ist aber, wenn wir nach Hause kommen, wenn niemand da ist, kein Licht brennt, alles noch daliegt wie morgens – wenn wir das Bedürfnis haben, dass uns einfach mal jemand in den Arm nimmt, mit uns spricht, mit uns isst, uns liebt? Es ist nicht wirklich lösbar. Vielleicht könnte es phasenweise stattfinden. Als ganz Junge könnten wir mit unserem Talent einen großen Erfolg landen, dem weitere folgen. Wenn die Luft da droben zu dünn geworden ist, können wir uns wieder der Gesellschaft zuwenden, Wärme und Nähe erleben, die doch auch immer wieder so verletzlich und zerbrechlich sein kann. Wir können auch alle Phasen des „normalen“ Lebens durchlaufen und nach Abhaken des gesellschaftlichen Anspruchs das zu leben, was wir eigentlich sind und sein wollen. Und da können wir wirklich nur Gleichgesinnte brauchen. Wir sind verantwortlich für das, was wir tun und wie wir leben. Niemand anderes. Niemand ist schuld an den Entscheidungen, die wir einmal fällten. Wenn wir diese Stufe erreicht haben, können wir wechseln zwischen Einsamkeit, Schreiben, dem Innen und dem Außen und dem erneuten Hineingehen ins Leben, uns hineinwerfen und dem Tod eine Nase drehen. Und wir können die Grenzen, die jeder von uns hat, niemals vollständig überwinden. Können nie, nur augenblicksweise, eins sein mit anderen, mit einem anderen. Beim Schreiben können wir diese Momente erleben.

Seltsam, im Nebel zu wandern,
Leben ist Einsamsein,
kein Mensch kennt den andern;
jeder ist allein.

(Hermann Hesse: Im Nebel)

Aber: Es gibt wirkliche Momente der Begegnung zwischen Menschen, welcher Art auch immer. Und die sind wesentlich und sind der Sinn und aus ihnen spricht Gott.

 ©Christa Schmid-Lotz, August 2002


Samstag, 17. Januar 2026

Das Cover für die "Hexenkinder" ist da!

 Gestern erhielt ich von Constance (Coverboutique) mein Cover für den historischen Roman "Hexenkinder". Dazu habe ich gemeinsam mit meinen Kollegen und Kolleginnen vom Montségur-Autorenforum, der größten deutschen Internetplattform für Schriftstellerìnnen, einen neuen Klappentext erstellt. Jetzt habe ich den den Roman an meinen Kindle geschickt, werde ihn ein letztes Mal überarbeiten, und dann geht er an Amazon und Tolino zur Veröffentlichung.


                                                               Klappentext:

Hayingen  im Jahr 1632.  Als die Schweden in die Stadt einfallen, versteckt sich die 17jährige Katherina in einer Kirche. Dort begegnet sie dem Musketier Alexander, und während ihre Welt untergeht, verliebt sie sich in ihn. Im Morgengrauen ist er verschwunden. Als sie nach Hause kommt, findet sie das Haus abgebrannt und ihre Eltern von dem Schweden Gunnar Erikson ermordet.  Während der Beerdigung beschuldigt ihre Nachbarin Anna Selblin Katherinas Mutter, eine Hexe gewesen zu sein. Das ist für Katherina ein Fluch, der ihre gesamte Zukunft überschattet. Sie flieht aus der Stadt, um Alexander wiederzufinden und  gelangt schließlich auf das Fuggerschloss in Wasserburg. Dort erfährt sie von den Hexenprozessen gegen zahllose Kinder. Katherina beschließt,  einige der Kinder zu retten und mit einem Boot in die Schweiz zu bringen. Doch dann erscheinen Gunnar Erikson und Anna Selblin, seine Mätresse, auf dem Plan.


Die Handlungsorte Hayingen auf der schwäbischen Alb, Blaubeuren, Ulm, Augsburg und Wasserburg am Bodensee habe ich alle mehrmals besucht und dort recherchiert, ebenso in Büchern und im Netz. Das Buch erschien im Jahr 2004 im Verlag Ulmer Manuskripte und wurde für einen Kleinverlag ordentlich verkauft. 

 


Freitag, 26. Dezember 2025

Das Altensteiger Fackeln

Alljährlich an Heiligabend findet in Altensteig (Kreis Calw) das weihnachtliche Fackeln statt. Da werden zwei riesige Holzhaufen aufgebaut und um Punkt 18 Uhr angezündet. Nach altem Brauch haben das die Burschen schon vor langer Zeit gemacht, um festzustellen, welcher Haufen am längsten brannte. Vermutlich geht dieser Brauch auf keltische Rituale zur Wintersonnenwende zurück.




David, mein Sohn und ich hatten uns schon einige Zeit davor aufgemacht, um noch eine Weile im Schnee und bei eisigem Wind spazieren zu gehen. Tatsächlich hatte es den ganzen Tag lang geschneit, und dazu kam ein Eiswind, der uns ins Gesicht blies. Der letzte Schneewinter war übrigens im Jahr 2010 und kam durch die zunehmende Klimaerwärmung so schnell nicht wieder. Völlig durchfroren kehrten wir zur Hütte zurück und wärmten uns erstmal mit einem heißen Punsch auf. Dann konnte das Spektakel losgehen - und es war hochspannend! Es ist eine Urgewalt, die da losdonnert, wenn die Feuerspur den Holzhaufen erreicht. Die Flammen schlagen hoch empor, und wir mussten zurückweichen, weil der Wind eine höllenheiße Säule zu uns herüberwehte. Wuuuusch, und ein ohrenbetäubendes Knattern dazu, und die ganze Zeit fliegende Funken und beißender Rauch! Die Leute zündeten ihre Fackeln an, bald entstand ein Lichtermeer, später schwenkten Männer große Fackeln über der Stadt, und Weihnachtslieder ertönten lauschig von einer Blaskapelle. Uns wurde schnell wieder warm, vom Gesicht bis zu den Füßen, aber immer wieder musste man vor-oder zurückweichen, weil die Hitze zu groß oder zu gering war. Der Schnee schmolz ganz schnell weg, es dampfte noch zusätzlich zum Rauch und Ruß.

Der zweite Haufen



Als ich das erste mal daran teilnahm, war David noch ein kleines Kind. Er hatte die Bilder von damals noch deutlich vor Augen wie ich auch. Später hatten mein Partner und ich uns das Spektakel von der Oberstadt aus angesehen, und ich war froh, mal wieder ganz dicht dabei zu sein. Wenn man aufs Video klickt, kann man diesen erhabenen Moment erleben, wenn die Flammen beginnen, am Holz emporschlagen. Früher musste ich daran denken, dass die Nazis sich solche Bräuche aus Propagandazwecken unter den Nagel gerissen haben. Auch an die vielen tausend arme Menschen, die als Hexen auf solchen Stapeln landeten. Heute ist es eine schöne Gelegenheit, den Heiligen Abend stimmungsvoll einzuleiten. Die Feuer gibt oder gab es auch in Ebhausen, Rohrdorf und Ebershard.









                                            Der zweite Haufen, ein paar hundert Meter entfernt


Zuhause war dann alles vorbereitet für eine -auch traditionelle- Fondue Bourgignon, die es abwechselnd mit Kartoffelsalat und Würstchen immer am 24. Dezember und am ersten Weihnachtstag bei uns gibt.













 







C





 

Sonntag, 14. Dezember 2025

Hexenkinder-historischer Roman

 


Nachdem mein neuer Roman "Tod im Glaswald" von keinem Verlag angenommen wurde, hatte ich mich daran gemacht, einen alten, 2004 im Verlag Ulmer Manuskripte erschienenen, nächstes Jahr im Self Publishing herauszugeben. Er hieß ursprünglich "Aufbruch nach Blaubeuren" und ist inzwischen nicht mehr erhältlich bzw. durch einen (fremden) Verlagslapsus als E-Book aus dem Netz verschwunden. Eine nette Designerin hat zugesagt, mir aus dem obigen Foto Mitte Januar ein neues Cover zu machen (mit Frauenfigur im Vordergrund). Die Geschichte beruht auf den Hexenprozessen vom Wasserburg am Bodensee, in dem zahllose Kinder verurteilt und getötet wurden. Die historischen Fakten sind belegt, aber alles über allem ist es eine Liebesgeschichte, die alle Wirren des Krieges überdauert.

Noch etwas zum Werdegang meiner Romane: Aufgrund meiner Berufstätigkeit bis 2015 habe ich nicht jedes Jahr ein Buch herausgebracht. 2004 erschienen "Eduard Mörike, ein Leben auf der Flucht" und Aufbruch nach Blaubeuren", 2009 "Die Nonne und die Hure" und "Die Pilgerin von Montserrat", 2011 "Die Hure und der Mönch" im Aufbau Verlag, 2012 "Das Vermächtnis des Bischofs" im Verlag Oertl&Spörer, im SP der Mörike, dann 2013 "Die Köchin und der Kardinal" im Aufbau Verlag. Es folgten 2014 "Teufelswerk" (E-Book zum Vermächtnis des Bischofs), 2015 "Nacht des Wolfes" im SP,2018-2020 "Martinmorde"; "Tod am schwarzen Fluss" und "Mörderische Förde" im Midnight by Ullstein Verlag.

Vorläufiger Klappentext "Hexenkinder":

"Süddeutschland im Jahr1632. Nach dem Überfall schwedischer Soldaten auf ihre Stadt beginnt eine Odyssee für die 17jährige Katherina. Ihre Eltern sind bei dem Massaker ums Leben gekommen. Dem Mörder ihrer Eltern, Gunnar Erikson, schwört  sie bittere Rache. Doch sie wird selbst von ihrer Nachbarin Anna Selblin verflucht, da ihre Mutter keine Heilerin, sondern eine Hexe gewesen sei, die ihren Sohn mit einer Tinktur getötet hätte. Auf der Flucht trifft Katherina den katholischen Musketier Alexander und verliebt sich in ihn. Er zieht wieder in den Krieg. In der Folgezeit treffen sie mehrmals aufeinander und verlieren sich wieder. Nach vielen Gefahren und Abenteuern gelangt Katherina auf ein Fugger-Schloss in Wasserburg am Bodensee, wo  Kinder Opfer von Hexenprozessen geworden sind. Erikson erscheint dort zusammen mit Anna Selblin, die inzwischen seine Mätresse geworden ist. Katherina  befreit drei Kinder aus dem erlies des Schlosses und bringt sie in die Schweiz. Dort trifft sie auch Alexander wieder. Aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende, denn ihre Erzfeindin Anna und Erikson sind ihr dicht auf den Fersen."


Weihnachtsmärkte

 In meiner Kindheit und Jugend war ich nie auf einem Weihnachtsmarkt, so weit ich mich erinnere. Obwohl es die ja schon seit dem Mittelalter gibt, zum Beispiel in Bautzen, Dresden oder Nürnberg. Geschichte der Weihnachtsmärkte. In den letzten 30 Jahren haben wir viele Weihnachtsmärkte in der Umgebung besucht, in Horb, Herrenberg, Rottenburg, Calw, Freudenstadt, Stuttgart, Pforzheim, Ergenzingen, Neubulach und Ulm. In Nagold stand ich einmal stundenlang mit Kollegen und Kolleginnen des Vereins für soziale Integration am Stand, um Spielzeug und Vogelhäuschen aus der Holzwerkstatt zu verkaufen. Meine Hände und Füße waren eiskalt gefroren, und vor uns strömten die Besucher vorbei, mit Glühweingläsern in der Hand, und natürlich blieb kaum einer mal bei uns stehen. So verkaufte ich mein erstes veröffentlichtes Buch auch nur ein einziges Mal an eine Klientin. Trotzdem war es ein Erlebnis, das mal aus der Standes-Perspektive zu sehen! Es hat sich inzwischen aber etwas verändert. Ich erinnere mich an die intensive Stimmung in Wildberg mit den Schafen im Turm unten und den Garagen in der Fachwerk-Oberstadt, die liebevoll hergerichtet waren.  Später wurde es dann überall immer voller, so dass man kaum noch vorankam, auch kommerzieller. Dann kam Corona und alles war dicht, danach war der Hunger der Menschen auf das Event so groß, dass die Massen kaum noch zu bewältigen waren. Vor allem die Schlangen vor den Buden mit Roter Wurst vom Grill und Pommes stauten sich immer länger.

Vor ein paar Tagen habe ich einen Bericht über den Anschlag auf den Breitscheidplatz-Weihnachtsmarkt im Jahr 2016 gesehen. Parallel dazu wurden Besucher im Fernsehen gefragt, wie groß ihre Angst vor Anschlägen wäre. Die Mehrheit vertraut auf die Sicherheitsvorkehrungen, und das tue ich eigentlich auch. Und nicht deswegen bin ich zwischendurch hinter den Buden durchgelaufen, sondern weil kein Durchkommen mehr war. Leider war ja in Bayern offensichtlich ein Anschlag geplant, an dem kleineren Ort Dingolfing Geplanter Anschlag Dingolfing(neben dem terroristischen Anschlag in Sidney).

 Wir haben dieses Jahr die Besuche ziemlich eingeschränkt. Ich mag keinen Glühwein, dafür bin ich eine Liebhaberin der Würste vom Holzkohlengrill. Nachdem ich die leckere Thüringer Bratwurst nie mehr gefunden hatte, war ich jetzt allein auf die Rote aus. Nur zu diesem Zweck bin ich letzte Woche auf den Nagolder Weihnachtsmarkt gegangen, wo kaum ein Durchkommen war. Neben der traditionellen Eislaufbahn war diesmal auch ein Riesenrad aufgebaut, mit dem 6000 Kinder fuhren, die Besucherzahlen sind auf 20 000 gestiegen, was früher einmal die Gesamteinwohnerschaft von Nagold war! Die Wurst hat auch gut geschmeckt, und ich musste nicht einmal anstehen. Gestern dann noch der kleine, wirklich gemütliche Markt in Schietingen, zwischen Brotbackhaus, alter Schmiede und dem kleinen Bach Steinach, wo unter anderem die Nachbarn einen Stand mit Kürbissuppe bewirteten. Diese kleinen Abstecher sind mir inzwischen genug. Weihnachten kann kommen, auch wenn es nicht mehr vom Lichterglanz der Kindheit, der Familie, dem Räucheraal und den dänischen Köstlichkeiten in Flensburg  überstrahlt ist.

Montag, 20. Oktober 2025

Grandiose Luft -Berlin ist eine Reise wert!


Kürzlich verließ ich mit meinem Einkaufswagen einen großen Supermarkt. Vor mir liefen eine Mutter und ihre kleine Tochter, vielleicht drei, vier Jahre alt. Mit einem Mal drehte sich das Mädchen zu mir um, streckte mir selig lachend ihre Banane entgegen, die es gerade bekommen hatte, wandte sich wieder nach vorne und hüpfte so vergnügt weiter, dass ich dachte: So wenig reicht schon aus, um einen Menschen glücklich zu machen! Ich selbst habe das durch einen kurzen Ortswechsel ebenfalls erfahren. Vor etwas mehr als einer Woche machte ich mich mit einer Bekannten auf, um in die große Metropole Berlin zu reisen, wo mein Sohn David und seine Verlobte Dany sich am 11. Oktober das Jawort geben wollten. Es war meine erste Reise seit Beginn von Corona, es hatte sich erst mal nichts mehr ergeben.

Wider Erwarten kam der Zug nur mit 5 Minuten Verspätung in Herrenberg an. In Stuttgart staunte ich über das neue Areal der Sparkasse beim Bahnhof, wo man gegen Kreditkarte Kaffee trinken konnte. Allerdings hingen die Plastikfahnen der Stuttgart-21-Baustelle immer noch neben dem Weg zu den Zügen. Weiter ging es über Mannheim und Frankfurt ins Bergische, da saß ich wie früher eine Stunde lang im Bistrowagen und in einem anderen fast leeren Abteil und ließ die -mir von früher her bekannte - Landschaft an mir vorüberziehen. Kassel, Stendal in Brandenburg, weite Ebenen. Es ist ratsam, wie wir an einem Donnerstag zu fahren, wie wir später erfuhren, hatte die nähere Verwandtschaft am Montag -bei der Rückfahrt - Ausfälle bei den Zügen. Im Stadtteil Tempelhof-Schöneberg bezogen wir unsere Unterkunft "Limehome", was sich als sehr großes, nettes Apartmenthotel erwies. Abends ein gutes Essen beim Italiener- ich hatte statt Pizza Minestrone und Kalbsleber mit Gemüse bestellt.


Der Abend endete noch etwas hektisch, weil meine Gefährtin und ich ungeübt waren beim Einchecken mit Code. Beim ersten mal hatte David es gemacht. Ich war noch mal draußen und tippte dann den Code ein - nichts rührte sich! Schreck lass nach. Seitlich war das Fenster von Hildegard erleuchtet, ich rief hinauf, aber nichts geschah. Ich dachte schon, Scheiße, jetzt muss ich warten, bis jemand nach Hause kommt oder draußen übernachten! Schließlich kam ich drauf, dass ich nicht nur den Code eingeben (den ich dann auswendig kannte), sondern ihn auch noch mit einem Häkchen bestätigen musste. Gott sei´s gelobt und getrommelt. Sehr gutes Bett zum Schlafen, und morgens fanden wir schnell einen türkischen Bäcker, der Latte und ofenwarme Croissants anbot.

Die Wohnung von David und Dany kannten wir noch nicht - ich staunte, wie viel Grün es in diesem Stadtteil gibt und wie einfach und locker das Leben sich gestaltetet. Auf dem Balkon war ein hellgrünes Flaumbündel gelandet, vielleicht ein Nestling, Grünfink, den David wieder zum Fliegen brachte. Den Nachmittag nutzen Hildegard und ich, um etwas von der Stadt zu sehen. Also mit Bussen und Bahnen in die Mitte. Das Brandenburger Tor war mir wohlbekannt, und trotzdem ist es immer wieder ein erhabenes Gefühl, darunter durchzulaufen, zusammen mit Touristen aus aller Herren Länder. 

                                                       

                  
Bei der Traukirche von Danys Eltern



Ich war mit 12 Jahren das erste mal in Berlin, zusammen mit meinem Vater zu Besuch bei seinen Cousinen, die in einer Villa mit einem herrlichen Zwetschgenbaum am Grunewald lebten. Die Fahrt durch die DDR habe ich sehr düster in Erinnerung, keine Leuchtreklame, Cola schmeckte scheußlich, und einmal wurden wir von bewaffneten Beamten in die Bude gewinkt. Unheimlich. Ich habe noch den Todesstreifen gesehen und die zerstörte Gedächtniskirche. Das nächste Mal bei einer Klassenfahrt, ans Pergamonmuseum mit dem großen Altar erinnere ich mich gut. Und an die Theateraufführung "Der Mann von La Mancha". Noch heute kann ich es singen: "Er träumt den unmöglichen Traum, bekämpft den unschlagbaren Feind, erträgt den untragbaren Kummer ..."
Später mit Ehemann bei einer Ausstellung von HAP Grieshaber von der Achalm bei Reutlingen, da waren wir auch im Osten in der berühmten Kneipe "Zur letzten Instanz", und dann noch mal, bei einer Kneipentour, lernte ich einen Frontmann von der Schwabenrockband "Schweißfuaß" kennen, die damals recht bekannt war. (Einer ist immer der Arsch und weiß nicht mal warum). Meine (inzwischen leider verstorbene) Schwester Heidi war ca. 1978 ihrem Freund, dem damaligen Studenten und späteren Schriftsteller Thomas Hürlimann, von Heidelberg nach Berlin gefolgt, und da saßen wir dann im Heidelberger Krug in Kreuzberg und tranken Bier, danach neben dem Kohlenzimmer von Thomas und philosophierten. Das letzte Mal, vor mehr als 30 Jahren, besuchte ich eine Freundin aus Nagold, die mit unserem Professor aus der Friedensbewegung in einer Altbauwohnung lebte. Ein See in Brandenburg, ein Museum, eine Gänsekeule und ein Film ("Wiedersehen in Howards End").

Hildegard und ich besuchten das Mahnmal des Holocaust, das einfach zu finden war. Sehr beklemmend und eindrücklich!


                                   

                                  

Dagegen fanden wir ein Berliner Museum nicht und liefen uns dabei die Hacken wund. Das U-Bahnnetz ist hier, im ehemaligen Ostsektor -sehr veraltet, keine Reklame an den Wänden, keine Rolltreppen, ein trockener Käsekuchen im jüdischen Museum rettete uns gerade noch, bevor wir aus den Latschen kippten. Hier wurden wir ganz streng von Sicherheitsgruppen durchsucht. Abends gab es eine Zusammenkunft und eine Geburtstagsfeier in der Wohnung. Gottseidank sind Hildegard und ich am Samstagmorgen noch mal losgezogen. Erstmal die Tempelhofer Flughafenanlage, martialisch, überall grimmig blickende Adler der Nazis. Und dann die Museumsinsel! Davor war ein riesiger Kunst-und Flohmarkt aufgebaut, beim Spaziergang an den Museumsgebäuden vorbei hatte ich ein Gefühl, in einem anderen Land angekommen zu sein. In einem Land, einem Ort, wo Kultur noch eine wichtige Rolle spielt.






                     

  

Das Alte Museum mit der Antikensammlung


Ein Arm der Spree, sie umrundet die Museumsinsel

                                         

 Später ging es zur Trauung ins Schöneberger Rathaus - während der Zeremonie traten mir doch ein paar Tränchen in die Augen - und danach zum Brunnen im Park, wo schon die anderen Hochzeiten stattfanden (das ging im Rathaus wie am Fließband! Anscheinend wird heutzutage mehr geheiratet als je zuvor.)


Das Hochzeitsessen: Beim "Attila", einem kroatischen Feinschmeckerrestaurant. Es war rammelvoll, und es gab Vorspeisenplatten mit Lachs, Salaten, Carpaccio und allerlei Sonstigem, Platten mit Seezunge und anderem Fisch, mit Fleisch, Cevapcici, Gemüse, Pommes, Duvec-Reis und Bratkartoffeln, und dann noch Hochzeitstorte und viele Nachtische, Bier, Wein und Slivovitz. Des Nachtischs habe ich mich wie immer enthalten. Gute Gespräche mit alten Verwandten und Bekannten, und ich habe sogar gesungen, nämlich die Fortsetzung der anwesenden Familie mit Kindern von "Ringlein, Ringlein, du musst wandern" "...ach wie herrlich ach wie schön, keiner kann das Ringlein sehn." Davids Onkel hielt eine Rede, auch auf Davids Vater und mich, und er erzählte noch ein paar Witze.



Gut und schön, auf dem Heimweg haben sich Hildegard und ich dann doch mal wieder im Dunkeln verirrt. Die Straßen waren alle so gleich. Taxi gab es keins zu sehen, also mussten wir durch, Passanten fragen, bloß nicht durch den Park, meinte ein junger Ausländer, der uns mit seinem Google Maps half. Schließlich erkannten wir doch die Apotheke auf der Gegenseite und unseren türkischen Bäcker und sanken glücklich in die Betten. Die Rückfahrt am Sonntag war noch unkomplizierter als die Hinfahrt. Immer auch deshalb, weil Hildegard jeweils eine Stunde in Stuttgart eingeplant hatte. 


Und die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Im nächsten Sommer folgt die kirchliche Trauung mit über 100 Gästen im Schloss Diedersdorf in Brandenburg. (Grandios im Vergleich zu unserer Hochzeit damals, die wir mit Freunden im Jeanslook in einer griechischen Kneipe in Tübingen feierten).









Samstag, 27. September 2025

Meine Lieblingsplätze und das Schreiben


 Meine Heimat habe ich vor langer Zeit im Schwarzwald gefunden. Geboren in Flensburg, nach Aufenthalten in Erlangen, Fynhav in Dänemark, Wassersleben, Tübingen und Freiburg hat es mich nach Nagold an der Nagold verschlagen - in eine wunderschöne Landschaft! Und in meiner Terrassenwohnung mit Riesennussbaum, der auch in den heißen Sommern Schatten gibt, schreibe ich seit 25 Jahren meine Kurzgeschichten und Romane. Viele von ihnen - ob historisch oder Krimi - spielen in dieser Gegend.

Gerade habe ich wieder eine freundliche Absage für meinen historischen Krimi "Tod im Glaswald" erhalten-auch ein guter Plot und eine gute Idee sei bei der Fülle von Einsendungen nicht davor gefeit, abgelehnt zu werden. So habe ich den Roman noch an S. Fischer, Kiepenheuer&Witsch sowie an Piper(mit Imprintverlagen) geschickt. Dann bin ich mit allen durch. Es gibt drei Möglichkeiten: In der Schublade lassen (zusammen mit der "Argentinierin"), ihn auf eine Plattform (Neobooks) zu stellen, wie die Rowohlt-Lektorin mir riet oder ihn irgendwann im Winter selbst zu veröffentlichen. Derweil widme ich mich meinem neuen Thriller "Höhlenangst" oder "Tiefe Schuld", der von einem Höllentrip über die Schwäbische Alb handelt. Und ich genieße die letzten warmen Tage, um in der Umgebung noch ein wenig Power für die dunklere Zeit zu tanken.


Letzter Sommergruß


Beim Italiener "Klein Paris" in Ergenzingen. Die Salatsoße ist soo gut, dass die Bedienung uns nicht verraten wollte, wie ihre Mutter die macht






Immer wieder einen Besuch wert: Der Kurpark von Bad Imnau



Die Flößerstube bei Altensteig














Das ist der schwäbische Dichter Eduard Mörike, mit dem ich in einem früheren Leben einmal verbunden gewesen sein muss, wie es ein bekannter deutscher Schriftsteller einmal äußerte. Und daneben bin ich im Alter von etwa drei, vier Jahren.

 

Sonntag, 24. August 2025

Eine Hommage an unser Herrenberg

 Wir leben hier im Kreis Calw in einer der schönsten Regionen Deutschlands, zwischen Schwarzwald und schwäbischer Alb, dem Neckartal, und im Süden liegt der Bodensee. Die schönsten alten Städte sammeln sich um uns herum, die alte Hessestadt Calw, Rottenburg, Horb, und im Osten, keine 15 Minuten Fahrzeit entfernt, erhebt sich Herrenberg mit Burgruine und der "Glucke", dem charakteristischen Kirchturm.  Man könnte das ganze Jahr dort Urlaub machen, wären da nicht die vielen vielen Autos und Straßen, die Betonversiegelung und das Getöse und Grundrauschen der Zivilisation. Trotzdem statten wir auch Herrenberg gern immer wieder einen Besuch ab, auch wenn wir alles schon so gut kennen. Da gab es zum Beispiel den Baumeister Schickard, der auch den Marktplatz in Freudenstadt konzipiert hat sowie den Maler Jerg Ratgeb, der sich beim Aufstand der Bauern auf ihre Seite schlug und dafür in Pforzheim gevierteilt wurde.

Unser Italiener hat sein Lokal nicht mehr auf dem Herrenberger Marktplatz, sondern ist jetzt weiter unten nahe der Kreissparkasse zu finden. Man kann immer noch dort sitzen, nicht mehr ganz so gemütlich. Der Blick auf die mittelalterlichen Häuser ist auch noch da, wäre da nicht dieser riesige Sandkasten gewesen, der Mallorca-Feeling vermitteln soll. Das habe ich auch schon in Vaihingen, Weil der Stadt und in Schwäbisch Gmünd gesehen, und ehrlich gesagt finde ich das deplaziert. Erstens, wo ist das Meer bei der Hitze? Wenn man schon etwas für die daheimgebliebenen bieten will, die kein en 1000, 2000 Km in den Urlaub fahren können oder wollen, dann doch nicht auf historischen Marktplätzen, den wiederum andere Touristen besuchen wollen! Draußen auf einer Wiese der im Freibad-o.k! Abgesehen davon ist und bleibt Herrenberg eine wunderschöne, mittelalterlich erhaltene Kleinstadt. Sehr schön auch die vielen kleinen Geschäfte und Restaurants, Bäckereien und lauschigen Plätze.










Sonntag, 27. Juli 2025

Starkregenereignis in Reutlingen

 Gestern machten wir uns mal wieder in eine unserer Lieblingsstädte auf: In die alte Reichsstadt Reutlingen. Sie ist neben Stuttgart und Baden-Baden die Stadt mit den meisten Millionären Baden-Württembergs, aber auch eine mit sehr viel alter, liebenswürdiger Bausubstanz. Vor Herrenberg wollten wir schon umkehren, weil es an die Autoscheibe tropfte und sich Richtung Tübingen drohende Wolkengebirge zusammengeballt hatten. Nein, wir wollten es versuchen, besser unterwegs sein als zu Hause auf dem Sofa zu versacken. Tübingen hat einen neuen, millionenschweren Fahrradweg mit Brücke, alles blau angemalt, aber heute hatte es auch die Radfahrer vertrieben, die es einem als Autofahrer immer schwerer machen, irgendwo in den Gassen durchzukommen. Ist alles klimabedingt, das wissen wir, aber das Verkehrsproblem hat Tübingen dadurch nicht gelöst. Vom Tunnel bis zur Blauen Brücke stauten sich die Autos, wechselten hektisch die Spuren und versuchten offensichtlich, Richtung Nürtingen-Stuttgart zu entkommen. So war die Schnellstraße nach Reutlingen dann auch bald wieder frei. Doch was zunächst über der Schwäbischen Alb hell geleuchtet hatte, war verschwunden, und tiefste Schwärze raste auf uns zu, entlud sich erst allmählich, dann immer heftiger. Schließlich prasselte ein derartiger Starkregen auf uns nieder, dass wir die Straße nicht mehr erkennen konnten und ich zunehmend fürchtete, mitsamt dem Auto fortgespült zu werden-wie damals in der Unterführung in Stuttgart, wo mehrere Menschen starben. Mit letzter Anstrengung erreichte wir eine Tankstelle, wo schon andere Verkehrsteilnehmer angstvoll harrten, ein Mädchen mit einem Fahrrad meinte, sie müsste abgeholt werden. Mindestens zwanzig Minuten hämmerte es aufs Dach, dann konnten wir allmählich weiterfahren und landeten erstmal in Pfullingen, wo der Regen nachließ und wir neben einem Italiener parken konnten. Oh  Wunder, die Sonne kam heraus, und wir ließen uns von den lieben Menschen Kuchen, Eis und Kaffee bringen.


Über die Alb zurückzufahren machte keinen Sinn, also kehrten wir noch einmal nach Reutlingen zurück und fanden tatsächlich einen Parkplatz. Die Stadt war leerer als sonst, alles war wohl gerannt und geflüchtet, und so konnten wir so richtig lustwandeln wie früher. Beim Osiander hat sich nicht viel verändert, es gibt immer noch sehr viele Nippes, Romance und wenig Regionales. In solchen Momenten verstehe ich immer mehr, warum die Verlage mein neues Buch nicht veröffentlichen: Regional, historischer Krimi, gibt es da einfach nicht. Ich fuhr nach oben und kaufte mir eine Karte von der Alb für meine Recherchen, beim Butler eine schone graue Vase. Und so aßen wir wie ehedem auf dem Reutlinger Marktplatz, nicht mehr beim Alexandre, dem die neuen Cafés wohl den Rang abgelaufen haben. Die Leute scheinen hier offener und gelassener zu sein als bei uns im Schwarzwald, in der Großstadt kann man das Leben eben doch anders genießen als im kleinen Schwarzwaldstädtchen.

                            

Straße zum Marktplatz, rechts der Osiander

Das städtische Museum
Café am Marktplatz, der Red Bull steht als Zierde da


Marienkirche


Der Zeller-Mörike-Garten in Nagold

Mein erster biografischer Roman über den Dichter -Eduard Mörike. ein Leben auf der Flucht - erschien im Jahr 2004, zu seinem 200. Geburtstag im Salzer/Kaufmann Verlag in Lahr. Damals sind mein Partner und ich noch in aller Frühe über den Schwarzwald nach Lahr gefahren, wo ich sieben Stunden mit dem Verlagsleiter, der Lektorin und einem weiteren Lektor verbrachte. Die Auflage von 2000 Stück wurde im Buchhandel und im modernen Antiquariat verkauft und wurde in Deutsche Literaturarchiv in Marbach aufgenommen. 2012 veröffentlichte ich es, nach Rückgabe der Rechte, im Selfpublishing, wo es noch heute erhältlich ist. Die Printausgabe gibt es nur noch antiquarisch oder in Buchbörsen.

 Kürzlich war ich mal wieder im Zeller-Mörike-Garten in Nagold, einem sehr gepflegten kleinen Stück Land am Nordrand der Stadt. Gottlieb Heinrich Zeller, Apotheker, Pietist, Naturwissenschaftler und Ehrendoktor der Universität Tübingen, kaufte 1831 das Gelände als Wochenendgrundstück für seine Familie und ließ eine kleine Laube erbauen, 1862 folgte  ein Gartenhaus im Schweizer Stil. Im Jahr 1862 besuchte ihn auch der Dichter Eduard Mörike zusammen mit seinem Freund Mährlen in Röthenbach bei Nagold während seines Kuraufenthaltes dort. "Wir wollen noch einen Spaziergang gegen Nagold in Zellers Garten machen, wo wir denselben bei einem Imbiss treffen.", schrieb er an seine Frau.